Pressemeldungen

Artikel aus dem Wirschafts Echo, 2. Jg./Nr. 2, April/Mai 2009

Der zielstrebige Kümmerer des Schenck Technologieparks

Mehr Arbeitsplätze als vor der Umwidmung durch die Mutter Dürr – Umfassendes Dienstleistungsangebot

Karl-Heinz Pfuhl gäbe einen prima Bürgermeister ab. Die grau melierten, kurzen Haare und die freundlich leuchtenden Augen wirken sympathisch. In seinem schwarzen, offen getragenen Mantel über dem gut sitzenden Anzug strahlt er Würde aus. Er hört zu. Wägt ab. Gibt kurze Anweisungen. Bleibt dabei freundlich und konziliant. In der Rolle des Gemeindeoberhaupts wäre Pfuhl die Idealbesetzung. Im Grunde füllt er sie auch aus. Nur eben nicht an der Spitze einer Kommune. Sondern als Geschäftsführer des Schenck Technologie- und Industrieparks. Der bildet mitten in Darmstadt eine kleine Stadt für sich. Über 2500 Menschen arbeiten dort. Und der fünfundsechzigjährige Karl- Heinz Pfuhl ist so etwas wie der Herbergsvater.

Sich kümmern, Dinge in Bewegung setzen, vermitteln – das liegt ihm. Der Technologie- und Industriepark (TIP) trägt seine Handschrift. Auch wenn Pfuhl das so nie von sich behaupten würde, hat er doch an einer Erfolgsstory mitgeschrieben. Die Anfänge des TIP verbinden sich dagegen mit einem traurigen Kapitel Darmstädter Industriegeschichte. Nach dem Verkauf des Traditionsunternehmens mit den Schwerpunkten Auswucht- und Wägetechnik an den Stuttgarter Dürr-Konzern wurden die defizitäre mechanische und elektrische Vorfertigung in Darmstadt geschlossen. Schenck schrumpfte, auf dem gut 100 000 Quadratmeter großen Gelände zwischen Landwehrstraße und Müllheizkraftwerk standen weite Teile leer. Eine Industriebrache drohte. Was tun? Diese Frage stellten sich 2003 der damals für die Schenck-Immobilien verantwortliche Pfuhl, Schenck-Vorstand Andreas Birk und der heutige Dürr-Konzernchef Ralf Dieter. In Arheilgen waren auf einem ähnlichen Areal Doppelhäuser entstanden – für den Standort Landwehrstraße kam das nicht infrage. „Wer will hier schon sein Einfamilienhaus bauen?“, sagt Pfuhl mit Blick auf die Nachbarschaft. Stattdessen reifte die Idee eines Industrieparks. 70 000 Quadratmeter mit Hebezeugen und Kränen ausgestattete Hallenfläche standen zur Verfügung, dazu noch einmal 70 000 Quadratmeter an Büroräumen – ein solcher Mix fehlte auf Darmstadts Markt für  Gewerbeimmobilien.

Der Dürr-Konzern bewilligte Millionenbeträge für Investitionen ins Kanalsystem, Wasserleitungen, Gebäude. Über 400 Zähler galt es zu setzen, um den Verbrauch der Mieter zu erfassen. Ein Ringstraßensystem musste her, um Lastwagen die Anfahrt zu jeder Halle zu ermöglichen. Eine Maschine einfach mal eben  durch Nachbarhallen zu schieben, wie zu reinen Schenck-Zeiten: heute unvorstellbar. Dass Dürr den Weg zum TIP mitging, findet der 51 Jahre alte Jurist Birk bis heute nicht selbstverständlich. „Gewerbeparks zählen schließlich nicht zum Kerngeschäft eines Maschinenbauers.“ Die Darmstädter aber überzeugten in  Stuttgart und bei ihren Mietern mit einem klar auf Dienstleistung ausgerichteten Konzept. Ob Energie, Entsorgung, Reinigung – im TIP gibt es alles aus einer Hand. Die Post verteilen Mitarbeiter des Industrieparks, auch Versand und Verzollung werden auf Wunsch übernommen. Die Menge des Post- und Frachtaufkommens im Park führt dazu, dass Mieter hier 20 bis 50 Prozent Kosten sparen können. Einzelne Dienstleistungen lassen sich flexibel dazubuchen.  Ungebetenen Besuch verhindert der Werksschutz, um die Gesundheit der Mitarbeiter kümmert sich ein eigener ärztlicher Dienst. 2000 Parkplätze sind ein Pfund, mit dem sich ebenfalls wuchern lässt. Und wer einen repräsentativen Wagen braucht, kann im Fuhrpark zwischen 30 B- und 20 C-Klasse- Fahrzeugen von Mercedes wählen. „Wir haben auch einen VW-Phaeton mit Fahrer im Angebot. Es ist ein Zusatzservice, der gar nicht so selten genutzt wird“, erzählt Pfuhl.


Park ist fast komplett vermietet

Über 50 Mieter haben sich inzwischen für den TIP als Firmensitz entschieden, darunter der Energieversorger HSE, der Messgerätehersteller Horiba, die Käfer Industrie GmbH (Isoliertechnik), die Luphos GmbH (Nanomesstechnik) oder das Biotechnologie-Unternehmen Zedira – die Spannweite beträgt 100 bis 25 000 Quadratmeter. Der Mietermix stimmt zuversichtlich, das Krisenjahr 2009 gut zu überstehen. Über 90 Prozent der Flächen sind vermietet, der Umsatz beträgt 22 Millionen Euro. Seit 2004 wurden pro Jahr etwa zwei Millionen Euro in den Park gesteckt, um die Attraktivität zu  steigern. Dürr-Töchter wie die Schenck Rotec machen nur noch 30 Prozent der Mieter aus. Statt 2000 Menschen wie zu Schenck-Zeiten arbeiten heute 2500 auf  dem Gelände. „Vom Ausmaß des Erfolgs sind wir selbst überrascht“, gibt Birk zu.

Den hat Birk nicht zuletzt seinem Kümmerer Pfuhl zu verdanken. Wenn der  Geschäftsführer auf dem Parkgelände unterwegs ist, wird er immer wieder kurz angesprochen. Oder er fragt nach, wie beispielsweise Malerarbeiten vorangehen. Ein abgeschottetes Büro gibt es bei Pfuhl nicht. Er hat nichts dagegen, wenn jemand den direkten Kontakt sucht. Auch das ist ein Teil des Erfolgs. 68 Mitarbeiter beschäftigt Pfuhl im TIP. Hausmeister, Logistikfachkräfte, den Werksschutz, Elektriker, Sanitäter, Klimatechniker, Betriebsschlosser. „Das sind unsere intelligenten Zellen. In Notfällen ist rund um die Uhr jemand zu erreichen.“ Fällt mehr Arbeit an, greift er auf feste Vertragsfirmen zurück.
„Totales Outsourcing war nie unser Ziel“, sagt Pfuhl, der die Zusammenarbeit mit seinem Team braucht: „Ich bin kein Einzelkämpfer.“ Bei ihm klingt das  nicht nach Floskel. Sondern ehrlich.

Für Hallen und Bürogebäude gibt es im TIP drei Preisstufen, je nach Ausstattung. Einfach geht es im Bau für kleine Spin-Off-Unternehmen zu, den Birk als „Treibhaus“ des Parks bezeichnet. Hier gibt es noch Etagentoiletten, es geht zu wie in einer großen WG. Zu den ersten Mietern zählten die Biochemiker von Zedira. Inzwischen sind sie dem Bau entwachsen, dem Park aber treu geblieben. „Wir nehmen zehn Unternehmen auf und  hoffen, dass sich eines zum Mercedes entwickelt“, beschreibt Birk die Philosophie des eigenen Gründerzentrums. Die Frage nach der Fluktuation erwischt Pfuhl auf der Treppe zum Ausbildungszentrum des Schenck Technologie- und Industrieparks – und überrascht ihn. „Die geht gegen null“, antwortet er nach einem Augenblick des Überlegens. Ein kleines Unternehmen habe kürzlich Insolvenz angemeldet, berichtet Pfuhl. Ansonsten seien die Mieter fast alle geblieben. Auch weil die Verträge atmen. „Unsere Partner können wachsen oder wenn es sein muss auch schrumpfen“, betont der Geschäftsführer. Kontrakte werden nicht nur lang-, sondern auch mittel- und kurzfristig geschlossen.

Stolz aufs Ausbildungszentrum 
Besonders stolz ist Pfuhl auf das Ausbildungszentrum des TIP. Rund 100 junge Menschen lernen dort ihren Beruf. Etwa die Hälfte sind Mechatroniker, technische Zeichner, Industrie- und Bürokaufleute. Die andere Hälfte kommt von der Berufsakademie Mannheim. Fachleute für Industrie, Mechatronik, Immobilienwirtschaft. Im TIP beschäftigt Pfuhl sieben Auszubildende, von Gesellschaften des Dürr-Konzerns kommen insgesamt 25. Das Ausbildungszentrum hat über 30 Kunden, setzt rund eine Million Euro im Jahr um. Bewerbungsverfahren und die Vorauswahl der potenziellen Azubis übernehmen die Fachleute des TIP. Den Unternehmen spart es Ressourcen. Im ersten Jahr bleiben die Lehrlinge meist in der Ausbildungswerkstatt, danach geht es in die Betriebe. Auf Wunsch übernimmt der TIP die komplette Ausbildung. Die Durchfallquote liegt bei unter zwei Prozent. Probleme, Auszubildende in den Beruf zu bringen, gab es in den vergangenen Jahren nicht. „Da hätten wir mehr Leute vermitteln können, als wir hatten“, erzählt Ausbildungsleiter Markus Heinrich. Karl-Heinz Pfuhl winkt den Mechatronikern aufmunternd zu – und ist schon wieder auf der Treppe. Hastig wirkt sein Gang nicht. Aber zielstrebig.

Wieder  draußen, weist Pfuhl auf eine unscheinbare Halle. In der lagern, für einen Industriepark ungewöhnlich genug, Kunstschätze. Das Landesmuseum Darmstadt hat für die Zeit seines Umbaus 5000 Quadratmeter im TIP angemietet und Werkstätten dorthin verlagert. Auch das Staatstheater war schon zu Gast, ebenfalls während der Sanierungsphase – und hat auf dem Industriepark- Gelände den „Datterich“ und die „Odyssee“ aufgeführt. Ähnliches plant Pfuhl jetzt wieder. Im schnieken HSE-Gebäude, einem mit viel Glas versehenen Bau aus den frühen Neunzigern, sollen Wechselausstellungen des Landesmuseums zu sehen sein.

Vom Dach eines Bürogebäudes überblickt Pfuhl seine kleine Stadt. Er sieht die Grünanlagen. Die Werkshallen. Die an- und abrollenden Lastwagen. Die Vielseitigkeit der Aufgabe gefällt ihm. Früher hat er sich um die Instandsetzung von Maschinen gekümmert. Jetzt um einen ganzen Industriepark. Das Rucken des Aufzugs registriert er aufmerksam. Da ist er wieder: der Kümmerer Pfuhl. Ins Schwärmen gerät er im Konferenzzentrum, das auch extern vergeben wird. Sieben  lichtdurchflutete Räume gibt es hier, für zehn bis 200 Teilnehmer. Selbst der Dürr-Konzern kommt für seine Meetings an die Landwehrstraße. Weil Darmstadt zentral liegt. Der Flughafen Frankfurtschneller zu erreichen ist als der in Stuttgart. Und der Bahnhof nicht fern.


Hamburger, Tischkicker, Carrera-Bahn

Beim Essen setzt sich Pfuhl ins Casino unter die Mitarbeiter. Viele kennt er beim Namen. Er wählt etwas Leichtes, Lachs mit Ratatouille und Reis. Zuvor hat er noch das Bistro für die jungen Leute gezeigt. Da bereitet der Catererer, der pro Tag gut 700 Essen ausgibt, auch Hamburger und Wraps zu, ein Tischkicker und eine Carrera-Bahn fehlen nicht. Pfuhl hat Spaß an solchen Details. „Die Leute sollen sich hier schließlich wohlfühlen.“ Er mag es, für andere da zu sein, hat einen großen Bekanntenkreis, sich in seinem Heimatort Groß-Zimmern im Pfarrgemeinderat engagiert.

Sein Maschinenbaustudium schloss der 1944  geborene Pfuhl 1967 ab. Anschließend arbeitete er in Ingenieurbüros, war freiberuflich im Rheinland tätig. 1969 heiratete er seine Frau Elisabeth, mit der er drei Kinder im Alter von 27 bis 39 Jahren hat. Der Garten zählt ebenso zu Pfuhls Hobbys wie Städtereisen, bevorzugt nach Südeuropa. Ab und an geht er in den Fitnessraum auf dem TIP-Gelände und spielt Golf. „Aber nicht verbissen.“ Pfuhl wirkt wie jemand, den nichts so leicht aus der Ruhe bringen kann. Der  mit sich selbst im Reinen ist. Kraft schöpft er bei Familientreffen mit den vier Enkeln und bei ausgedehnten Wandertouren mit seiner Frau, ob nun in den neuen Bundesländern oder im Spessart. Welche Strecken er jeden Tag im TIP zurücklegt, weiß er nicht. Einen Kilometerzähler hat er nie benutzt. Und auch kein Dienstfahrrad.

Seit 1970 ist Karl-Heinz Pfuhl jetzt bei Schenck. Ursprünglich wollte er zwei Jahre bleiben. Daraus wurden fast vier Jahrzehnte – und noch verschwendet der Mann, der von sich selbst sagt, Projekte gut managen und mit geringem finanziellen Aufwand viel erreichen zu können, ans Aufhören keinen Gedanken. Seinen Vertrag hat er gerade erst verlängert, es gibt noch viel zu tun. Die Fassade an der Landwehrstraße erhält ein neues Gesicht, das  Energiekonzept wird komplett überarbeitet. Ein Invest von zwei Millionen Euro. Die Fenster zu öffnen, um die Temperatur in den mit Dampf beheizten Räumen zu regulieren, ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Und künftig soll auch Warmwasser mit Dampf aus dem Müllheizkraftwerk erzeugt werden.

An der grundlegenden strategischen Ausrichtung will Pfuhl nichts ändern. Qualitativ lässt sich durchaus noch was machen. Einen Kinderhort kann er sich vorstellen. Übernachtungsmöglichkeiten fehlen noch. Gäbe es die, wäre Pfuhls kleine Stadt komplett. Rom wurde schließlich auch nicht an einem Tag erbaut


Mehr Informationen zum Schenck Technologie- und Industriepark erhalten Sie unter: www.schenck-technologiepark.de






© 2006 Carl Schenck AG, Darmstadt